Freitag, 5. April 2019

Hier sind wir alle morgens vor unserem Haus und dem
(Arbeits-!)Auto. Die Kids sind auf dem Weg zur Schule und in den Kindergarten, darum in Schuluniformen.

Kulturelle Unterschiede und Trauerfeiern
Ich wollte eigentlich viel mehr über die Besonderheiten der Kultur hier schreiben, nun fange ich endlich mal an. Dabei sind meine Beschreibungen absolut subjektiv, ich bin ja kein Ethnologo und viele ethnische und religiöse Besonderheiten sind immer noch rätselhaft für mich. Also muss nicht alles richtig sein was ich hier so schreibe, sondern es soll einen Einblick geben.  
Heute mal speziell zu Trauerfeiern, weil die hier so wichtig sind. Die Ethnien die hier leben sind die Lobi (https://de.wikipedia.org/wiki/Lobi), die Birifor und die Dagaara (https://de.wikipedia.org/wiki/Dagaare_(Volk)). Der große Unterschied zu den anderen Ethnien in Burkina ist, dass es hier traditionell keinen Chef gibt. In den anderen Gebieten gibt es immer streng hierarchische Machtstrukturen.
Außerdem ist das mit dem Glauben hier gaaanz anders. Offiziell gibt es hier zwar viele Christen, aber die meisten zählen sich zu den „Animisten“. Diesen Begriff finde ich nicht ganz treffend, aber ich benutze dieses Wort jetzt mal um es einfach zu halten. Wichtig ist das die meisten Leute hier nicht an Gott glauben, sondern die Ahnen verehren, viele Opferrieten veranstalten (Hühner schlachten) und an solche Erscheinungen wie „Geister“ (meistens Tiergeister) oder Hexen glauben.
Das aller wichtigste ist es die Ahnen zu verehren und somit ist der Tot das wichtigste Ereignis im Leben. Im Unterschied zum Rest des Landes wo auch Geburten und Hochzeiten einen wichtigen Stellenwert haben, wie zum Bsp. in Ibs Familie.
Einer verstorbenen Person, welcher nicht die Ehre einer mehrtägigen Trauerfeier gegeben wird, hat eigentlich nicht existiert. Trauerfeiern beginnen sofort nach dem verscheiden der Person und involviert alle die diese Person gekannt haben: also nicht nur das eigene Dorf, sondern auch die Nachbardörfer und wirklich alle kommen. Der Anlass für diesen Bericht ist mein heutiges Seminar: Wir erklären den Dorfgesundheitshelfern wie die hygienischen Bedingungen in Haushalten verbessert werden können. Heute war der zweite Ausbildungstag und leider fehlten 10 von 30 Leuten da letzte Nacht ein Kind in einem Dorf gestorben ist. Für unsere Arbeit ist das wirklich schwer, da ja leider ständig irgendwo jem. stirbt.
Bei den Muslimen wird ja sehr ruhig getrauert (es darf nicht geweint werden, soweit ich das mitbekommen habe) und die Bestattung findet auch schnell statt. Hier wird der Leichnam hingegen für min. 3 Tage aufgebart und die Frauen schreien… ich weiß nicht wie ich es besser umschreiben soll, ein bisschen wie das Indianer-gejodele, aber halt voller Schmerz und Verzweiflung. In unserem Nachbarhaus ist Weihnachten eine junge Mutter bei einem Verkehrsunfall gestorben- ich sage euch es war schrecklich! Die ganze Nacht war dieser Singsang-Geschrei zu hören, eine ganz bizarre Erfahrung für mich.
Wenn dann die Bestattung ist, fahren alle dem Sarg hinterher, und es kommt schon öfter mal vor, dass man 20min an einer Straßenkreuzung steht um den leisen Konvoi von hunderten Menschen in Autos und auf Motorrädern vorbei zu lassen.
Soweit für heute. Spannend, oder?!