von Juliane Dao, April 2019
Leider ist die Stadtplanung und der Häuserbau in Burkina Faso oft nicht organisiert. Die Millionenstädte Ouagadougou und Bobo-Dioulasso wachsen unkontrolliert weiter da Landkauf und Landbesitz in Burkina meist eine komplizierte Angelegenheit ist: es gibt traditionelles Landrecht, es gibt Zusagen von dem Chef de Terre und Chef de Quartier- den spirituellen Chefs und es gibt staatliches Landrecht… was sich manchmal wiederspricht oder lange Prozesse verursacht. Die Urbanisierung geht aber schneller voran und so entstehen viele Konflikte. In diesem traurigen Beispiel ist der Landbesitz klar. Die Stadtviertel Kuinima und Bolomakoté in Bobo Dioulasso liegen nicht nur an der Grenz von einem Militärgelände, sondern teilweise darauf und das Militär besteht nun auf sein Anrecht.
Auf der anderen Seite hat Burkina Faso mit dem zunehmenden Terrorismus und lokalen Konflikten im Norden und Osten zu kämpfen. Die neue Regierung bemüht sich der Lage Herr zu werden und versucht das schlecht ausgestattete Militär auszubauen und zu stärken.
In Folge dessen kam im Dezember 2018 die Aufforderung des Militärs das Gelände in Kuinima/Bolomakoté zu verlassen. Leichter gesagt als getan: Menschen haben sich angesiedelt, die Gärten werden bewirtschaftet und keiner von den Betroffenen hat finanzielle Mittel. Am 04.02.2019 um 6 Uhr morgens kamen die Bulldozer in Begleitung des Militärs um die Häuser dieses Stadtteils dem Erdboden gleich zu machen. Das Ergebnis ist ein trauriges Bild von verlassene Ruinen. In den 460 Häusern lebten noch vor ein paar Monaten tausende Menschen.
Ohne Kompensation oder alternativen Flächen mussten die Menschen weichen und sich anderswo durchschlagen. Das Hab- und Gut wurde zusammengerafft um sich irgendwo ein neues zu Hause aufzubauen. Wer hier gewohnt hat, hat kein Geld und somit sind alle Sachgüter brauchbar und wertvoll. Selbst die Steine werden mitgenommen, denn wovon soll den sonst ein neues Haus gebaut werden? Wer nicht die Möglichkeit hat weg zu gehen und wessen Haus noch einigermaßen in Tackt ist, der bleibt, auch wenn die löchrigen Mauern nicht genügend Schutz gegen die beginnende Regenzeit bieten.
Hier steht Mdou Sanon von „Da Sago", dem Gärtner Verband von Bolomakoté vor den Trümmern seines Hauses. Er hat nicht nur sein Haus sondern auch seine Arbeit verloren. Zu dem Gelände, welches durch das Millitär platt gemacht wurde, gehörten auch 200 ha Gartenland. Über 150 Bauern betrieben hier ganzjährigen, bewässerten Gartenbau und stehen nun vor dem Aus. Noch bevor die Ernte eingebracht werden konnten fuhren die Baufahrzeuge über die Beete hinweg und zerstörten Kohl, Amaranth, Tomaten, Zuchini, Gurken, Salat und Aubergienen.
Die Bilder zeigen einen der letzten noch intakten Gärten, sowie das Ergebnis der derzeitigen Bauarbeiten: eine riesige vegetationslose Ebene.
Dabei ist die urbane Landwirtschaft hier so wichtig. Sie diente nicht nur dem Einkommen der Bauern, sondern zogen eine ganze Handelskette nach sich: Frauen ernten, transportieren und handelten mit dem Gemüse und andere verarbeiteten oder nutzen es für den Eigenkonsum. Auch auf die Versorgung der städtischen Bevölkerung hat die Vernichtung einer solch großen Anbaufläche Auswirkung. Die urbanen Gärten sind die wichtigste Resource für frische Nahrungsmittel und tragen somit zur gesunden und diversen Ernährung der Bevölkerung bei. Besonders in der Trockenzeit sind im Umland sonst nur Zwiebeln und Tomaten verfügbar. Das in Bobo angebaute Gemüse wird nicht nur in ganz Burkina gehandelt, sondern sogar bis in die Elfenbeinküste, Mali und Ghana transportiert. Ein Wegfall dieser Fläche dürfte also Auswirkungen auf den lokalen Markt haben, besonders in der aktuellen trockenen Jahreszeit.
Um auf die Umstände aufmerksam zu machen veranstaltete die Bauernbewegung „Da Sago" am 25.04.2019 eine großangelegte Presseversammlung. Die burkinischen Medien berichteten daraufhin im Radio und Fernehen über die Vertreibung der Gärtner. Am 26.04.2019 gab es außerdem eine Vorführung des Films „Déraciné: Un documentaire sur les Jardins de Bolomakoté-Kuinima". Es ist ein Dokumentarfilm der die Gärten vor der Zerstörung und die Räumung zeigt, sowie Intervies von Betroffenen und Experten beinhaltet. https://www.youtube.com/watch?v=GINSJcXGOLQ
Über 500 Bewohner des Stadtviertels waren gekommen um den Film zu sehen und den Redebeiträgen der Betroffenen zu lauschen. Eine Lösung gibt aber nicht.












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